Das innere Bild: Rollenfindung „Hofhund Hannes“, Teil 2

Wie spiele ich auf der Bühne einen Hund? Wie setze ich seinen Charakter um? Dazu brauche ich vor allem zweierlei: ein „inneres Bild“ von meiner Rolle, ihres Charakters und ihrer Mimik, Gestik, Körperhaltung sowie ein Feedback von außen. Das, was ich „inneres Bild“ nenne, ist gar nicht so leicht zu erklären, denn eigentlich sind es viele Bilder, und die müssen der zu spielenden Figur nicht einmal ähnlich sehen.

Eigentlich suche ich mir Vorbilder, von denen ich hemmungslos passende Gesten klauen kann. Solche Vorbilder entdecke ich im Fernsehen, in irgendwelchen Filmen und auch im Alltag. Ich beobachte meine Mitmenschen und natürlich auch fiktive Figuren und suche Gesichtsausdrücke, Bewegungen, vielleicht sogar kleine Ticks, die zu meiner Rolle passen könnten. Wenn man Text spricht, ergeben sich die passenden Bewegungen meist fast von selbst. Viel schwieriger ist es, auf der Bühne einfach zu sein. Das wird oft vergessen, auch leider von vielen Laiendarstellern, aber natürlich muss man sich auch dann in seiner Rolle bewegen und verhalten, wenn man nur stumm zu sehen ist. Regieanweisungen in den Textbüchern sind an diesen Stellen sehr dürftig oder fehlen ganz. Doch auch wenn Hannes nur so vor seiner Hütte herum liegt: Verfolgt er das Gespräch der anderen? Oder ist er selbstvergessen mit irgendetwas beschäftigt, vielleicht schläft er sogar? Wann wird er endlich doch aufmerksam? Woran erkennt man das?

Selbst wenn Hannes ein Hund ist, so suche ich meine Vorbilder tatsächlich nicht ausschließlich im Tierreich. Hannes ist ja doch sehr menschlich in seinem Verhalten; tatsächlich ist er genau die Vermenschlichung, die viele Hundebesitzer in ihren treuesten Freund hinein projizieren. Er kann sprechen, läuft zweibeinig, besitzt einen – wenn auch schlichten – Verstand. Also schaue ich mir nicht nur an, wie ein echter Hund liegt, wie er Pfötchen gibt, wie er um ein Leckerli bettelt; genauso gut springen mich manchmal auch bestimmte Verhaltensweisen von Menschen an, die mir passend erscheinen. Da ist z. B. jemand, der nie still stehen kann, während er spricht. Oder ein anderer, der seinen Mund auf eine sehr eigentümliche Art verzieht, ohne sich selbst dessen bewusst zu sein. Ich benötige für eine Bühnenrolle deutliche Gesten, ein leichtes Naserümpfen nimmt niemand in der 7. Reihe mehr wahr. (Wir neigen sehr dazu, uns selbst immer sozusagen in Großaufnahme zu sehen und vergessen darüber, dass im Theater das Publikum nicht nur in der 1. Reihe sitzt.) Mundverziehen ist deutlicher als Naserümpfen. Sehr gut geeignet als Vorbilder sind, gerade bei tierischen Rollen, Comic- und Zeichentrickfiguren. Wenn Hannes mal wieder vor Freude völlig ausflippt, habe ich Pluto vor Augen, wenn er treu-mitfühlend schaut, dann lege ich den Kopf schief, wie ich es bei Susi und Strolch (und auch bei vielen realen Hunden) gesehen habe. Wenn Hannes Cinderella anhimmelt, habe ich übrigens eine Figur aus einer Science-Fiction-Serie vor Augen, ein lustig-dummer-liebenswerter Außerirdischer.

So entwickle ich Szene für Szene eine Kette von Vorbildern in meinem Kopf, ein Puzzle aus vielen Typen, die ich mit meinem Spiel zu meinem Rollencharakter verbinde. Ob das wirklich so wirkt, wie ich mir das vorstelle, können mir aber nur andere sagen: meine Mitspieler, die Zuschauer bei den Proben und vor allem natürlich die Regisseure. Auf deren Rückmeldung bin ich angewiesen. Darstellendes Spiel ist immer Teamarbeit. Und das letzte, das wichtigste Feedback kommt dann natürlich vom Publikum.

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Mit verstellter Stimme: Rollenfindung „Hofhund Hannes“, Teil 1

Cinderella, Plakatbild der Kolpingspielschar

Cinderella, Plakatbild der Kolpingspielschar 2016

Im aktuellen Stück der Kolpingspielschar „Cinderella“ spiele ich den Hund Hannes. Er ist eines der Tiere auf dem Hof der Stiefmutter; ein Freund der Titelheldin, der sich nur allzu gern von ihr verwöhnen lässt, der im Dauerstreit mit der Katze Beelzebub lebt und der seine Aufgabe, die (kleineren) Tiere zu beschützen, pflichtbewusst aber auch möglichst lässig und bequem (gar etwas faul?) erfüllt. Er grummelt über die Gemeinheiten der Stiefmutter und der Halbschwestern gegen Cinderella, aber außer Bedauern und etwas Trost hat er keine echte Hilfe zu bieten. Kurz: er ist liebenswert, treu und gutmütig, aber letztlich doch nur laut und hilflos („Hunde, die bellen …“). Seine geradezu aufdringliche Art, um Streicheleinheiten zu betteln, machen Hannes auch zu einer komischen Figur; hinzu kommen die Verfolgungsjagden mit der Katze, die zu Slapstickeinlagen führen.

Soviel gibt der Text her. Wie entwickele ich daraus jetzt meine Rolle, meinen Charakter? Zuerst einmal benötige ich eine passende Stimme. Damit lege ich auch schon ein Stück weit den Charakter fest – oder umgekehrt. Ich wollte keinen kleinen Kläffer, sondern – auch meinem tatsächlichen Alter geschuldet – einen eher schwerfälligen, schon etwas älteren Hund spielen. Da passt eine tiefere Stimme, die auch leicht rau klingen darf. Eine meist ruhige Sprechweise, die aber bei Bedarf wiederum schnell, fast atemlos (im Sinne von ohne Atempause) sein kann, z. B. wenn Hannes vor Freude herumspringt.

Die Suche und das Ausprobieren einer passenden Stimme beginnt bereits mit dem ersten Lesen. Jeder hat seine eigene Methode des Lernens, aber ich muss Text immer laut lesen und lernen. Ich muss ihn stimmlich interpretieren, verschiedene Stimmlagen und unterschiedliche Tempi ausprobieren, mal mit Pausen, mal flüssig sprechen. Oft improvisiere ich frei, spreche den Text mit meinen eigenen Worten oder spiele eine Szene einfach weiter, lasse meine Figur plappern unabhängig vom eigentlichen Verlauf des Stückes. Oder ich spiele meinen Alltag in meiner Rolle: Hannes in der Küche, beim Aufräumen, am Schreibtisch … – natürlich nur, wenn ich alleine bin. Eine verstellte Stimme in allen Situationen beizubehalten, ohne unschöne Kiekser dazwischen, ist schwierig. Außerdem darf natürlich nicht die deutliche Aussprache leiden. Und auch das Lautsprechen muss man üben, üben, üben.

Selbstgespräche ist man von mir ja gewohnt, aber mit verstellter Stimme und für einen Menschen ungewöhnlichen Lauten? Ich wohne in einem normalen Mietshaus, leider etwas hellhörig. Keine Ahnung was meine netten Nachbarn denken würden, wenn sie mich in allen Tonlagen bellen oder jaulen hören. Dafür suche ich mir also besser andere Orte.

Eine Möglichkeit, sich gerade auch vor den Proben einzustimmen und die Stimme aufzuwärmen, ist meine Fahrt über die Autobahn. Ich sitze allein im Wagen und niemand achtet dort auf die Fahrer, schon gar nicht jetzt in der dunklen Jahreszeit. Ein bisschen Lalala, vielleicht Tonleitern singen, da ich ja tiefer als normal sprechen will: Tonleitern abwärts. Einzelne Laute oder ganze Sätze ausprobieren. Dafür muss man sich gar nicht auf seinen richtigen Text konzentrieren (schließlich gilt die Konzentration beim Fahren dem Verkehr!): ich antworte dem Radio-Moderator, als würde er mich interviewen, ich kommentiere die Musik oder beschimpfe die anderen Verkehrsteilnehmer – Hauptsache, ich tue dies konsequent mit meiner verstellten Stimme. Auch unterschiedliches Bellen wird geübt: ein zustimmend-kurzes Wuff für den Radio-Kommentar, ein wütendes Wau-ra-wau für diesen blöden drängelnden Audi-Fahrer, ein glückliches Wow-wow-wahuuuh in den Sonnenuntergang.

Also wenn Sie auf der A33 ein kleines Auto überholen und Ihnen zufällig auffällt, dass die seltsame Fahrerin scheinbar bellt und jault – das bin dann wahrscheinlich ich.

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Nachtrag zum Probenwochenende: Kinder-Theater

Cinderella, Plakatbild

Cinderella, Plakatbild Kolpingspielschar Paderborn

Ich habe ja erwähnt, dass Kinder an unseren Proben teilnehmen. Fast alle sind schon in der Schule; und sie spielen nicht nur als süße Statisten, sie haben kleine Rollen, die extra für sie in den Text hineingeschrieben worden sind. Sie werden in eigenen Kinderproben von einem unserer erfahrensten Mitspieler (er ist zudem Theaterpädagoge) vorbereitet und proben dann in den letzten zwei Monaten vor den Aufführungen ganz normal mit.

Natürlich waren sie auch beim Probenwochenende dabei. Sie hatten ein eigenes Spielzimmer, in das sie sich zurückziehen konnten, wenn sie nicht dran waren. Meist wollten sie aber lieber zugucken. Das ist natürlich doppelt anstrengend für die Eltern, die ja selbst eine Rolle spielen oder andere Aufgaben in unserer Theatergruppe haben.

Die Jüngste ist knappe 1 1/2 Jahre alt, sie schaut zu und spielt eigentlich nicht mit. Eigentlich. Ihre Mutter ist aber in fast jedem Bild auf der Bühne und muss gleich zu Beginn das Eingangslied singen.

Die Gesamtprobe am Sonntagmorgen konnte endlich beginnen, die Regie sorgte für Ruhe, gab das Startzeichen: „Der Vorhang öffnet sich“; die Musik erklingt … . Da tapst unsere jüngste „Zuschauerin“ auf die Probenfläche und hockt sich mitten ins Bild. Wir hatten dort einen kleinen „Teich“ angedeutet (ein kaum aufgeblasenes Mini-Planschbecken stellte dieses Bühnenbild-Detail dar) und Klein A. setzte sich eben dort hinein. Nun, um den „Teich“ mussten wir ja sowieso immer herumspielen, also war sie nicht im Weg. (Vielleicht sollte das jetzt nicht die Mutter hören, aber ich habe gespöttelt, die Kleine sei jetzt halt das Entlein im Teich.) Die Mutter sang ihr Lied, aufmerksam verfolgt von ihrer zu ihr aufschauenden Tochter. Nach und nach kamen immer mehr Darsteller auf die Bühne, wir spielten immer um Teich und Klein A. herum, vergaßen sie fast darüber.

Bis zur Verfolgungsjagd von Hund und Katze. Der Hofhund Hannes soll den frechen Kater Beelzebub von der Bühne jagen. Ich springe also auf (ich bin der Hund), belle wütend los – und werde von dem erschrockenen Blick aus dem „Ententeich“ ausgebremst. Ein Blick, wie ihn nur Kleinkinder können. Verschreckt, gleichzeitig aber auch vorwurfsvoll. Wie konnte ich nur! Ich habe mich von da an nicht mehr getraut, richtig laut zu bellen. Das hat mir dann bei der abschließenden Besprechung eine kritische Bemerkung der Regie eingebracht („Du bist ein Hund, das musst du auch zeigen! Du hast schon mal besser gebellt.“)

Bei dieser Abschlussbesprechung saß ich auf dem Boden neben einem Matratzenberg, auf dem auch ein oder zwei Kinder herumkrabbelten. Eines rutschte herunter, setzte sich neben mich und zupfte mir am Ärmel. Ich wollte gerade sagen, dass ich jetzt keine Zeit hätte, weil wir noch leise sein und zuhören müssten, blabla. – Doch da sitzt sie, schaut mich groß an und sagt schlicht: „Hallo. Hallo. Hallo.“ Ich weiß nicht, wie oft; scheinbar ein Wort, dass sie gerade gelernt hat und jetzt ausprobiert. Und wieder dieser direkte Blick, diesmal ohne Schreck, ohne Vorwurf. Nur Hallo.

Das ist vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Hallo.
Wuff.

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Probenwochenende

cinderellaplakat

Cinderella, Bild auf dem Plakat der Kolpingspielschar Paderborn

Das lange Wochenende Anfang Oktober war ideal für unser Probenwochenende, bot doch der Feiertag 3. Oktober noch einen Erholungstag nach den anstrengenden Proben. Und anstrengend war es. Vor allem für unser Regie-Duo, das kaum Zeit für Pausen hatte, da sie natürlich immer gefragt waren, und selbst zwischen den Szenenproben mussten Fragen geklärt, Absprachen getroffen und Änderungen besprochen werden. Zwei intensive Tage, in denen wir unserem Märchenstück „Cinderella“ die Grundstruktur geben wollten.

Aber der Reihe nach. Unsere Probenarbeit hatte bereits vor einigen Wochen, nach den Sommerferien begonnen. Da konnte uns das Bühnenbild-Team schon die Pläne für die Kulissen präsentieren. Die Darsteller wussten auch schon seit Ende Frühjahr, wer welche Rolle spielt und hatten die Sommerpause zum Text lernen. Doch trotz dieser Vorarbeiten sind unsere Freitagsproben allein nicht ausreichend, um uns auf die Aufführungen im Dezember vorzubereiten. Da reichen weder die Zeit, noch die kleine Spielfläche in unseren Probenräumen. Darum das Probenwochenende, für das wir externe Räume (in einer Bildungsstätte) nutzen durften.

Das hat dann ein bisschen den Charakter eines Zeltlagers – nur ohne Zelt, Frischluft, Lagerfeuer und so. Wir reisen mit großem Gepäck an (auch wenn niemand übernachten will): bequeme Kleidung, Decken, Kissen (Matratzen gibt es vor Ort), Spielzeug für die Kinder, Requisiten natürlich, Lautsprecher (für die Musik), und vor allem Lebensmittel für 2 Tage (wir waren bestens versorgt mit Suppe, Würstchen, Brot und Kuchen – viel Kuchen, sehr sehr leckerer Kuchen). Und es ist ein Drei-Generationen-Lager: die jüngste Teilnehmerin ist knapp 1 1/2 Jahre alt, die älteste bereits Oma.

An den zwei Tagen probten wir von 10 bis 17 bzw. 16 Uhr einzelne Bilder sehr intensiv und schafften noch zwei Gesamtproben. Vor allem ging es uns um das Stellungsspiel: Auftritte, Abgänge, wie nutzen wir die Bühne in ihrer Breite und Tiefe, wie bringen wir Bewegung ins Spiel, … . Besonders schwierig ist immer die Frage: Was mache ich, wenn ich auf der Bühne bin, aber mir der Text nichts vorgibt? Wenn man spricht, ergeben sich Mimik und Gestik oft wie von selbst, aber das stumme Spiel ist eine Herausforderung – und so lösen manchmal kleine Rollen und auch Statistenrollen mehr Fragen und Probleme aus als die textlastigen Hauptrollen.

Wir haben in diesen zwei Tagen kreative Lösungen gefunden. Jetzt geht es in den nächsten Monaten an die Feinarbeit: die (Rollen-)Charaktere müssen deutlich herausgearbeitet werden, Aussprache, Betonung, Körpersprache, Mimik; Slapstick-Szenen und schnelle Dialoge erfordern gutes Timing; und dann heißt es üben, üben, üben, um sich die nötige Sicherheit für die Aufführungen zu erarbeiten.

Doch das Schönste ist erst einmal, wir hatten an diesem gemeinsamen (Arbeits-)Wochenende viel Spaß. Theaterspielen ist eben Teamarbeit. Damit am Ende alles zusammenpasst auf der Bühne und der Zuschauer eine stimmige Ensembleleistung geboten bekommt, muss die Chemie im Team stimmen. Genauso wie die Motivation bei jedem einzelnen. Da ist es sehr wichtig, dass bei aller ernsten Proberei auch gemeinsam gelacht wird. Dass wir uns gegenseitig helfen z. B. beim Text lernen. Und auch die Pausen mit Kaffee, Kuchen bzw. Suppe und die vielen kleinen und großen Gespräche zwischendurch sind da wichtig für eine effektive Zusammenarbeit.

So kann’s weitergehen …

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Die Nacht vor dem Betriebsausflug

Geplant war eine gemeinsame Kanu-Tour Werre und Weser abwärts bis Porta Westfalica. Ich bin noch nie mit einem Kanu gerudert. Es könnte nass werden, von oben (Regen war angesagt) und schlimmstenfalls auch von unten, wenn man kentert oder über Bord geht oder beim Ein- und Ausstieg ins Wasser fällt oder …

Meine größten Sorgen waren:

  • ich verschlafe
  • ich vergesse irgendetwas gaaanz wichtiges
  • ich stelle mich beim Rudern blöd an und blamiere mich.

Vor dem Ausflug schlief ich schlecht und träumte konfuses Zeug. Soweit, so normal. Ich erinnere mich nur an einige wenige Bilder und Szenen, aber der Traum ging eindeutig um den bevorstehenden Betriebsausflug. Obwohl darin auch Personen vorkamen, die nichts mit der Bibliothek zu tun haben; da gerieten privater und beruflicher Personenkreis lustig durcheinander, übrigens ohne dass es mir im Traum seltsam erschien.

Ich hatte verschlafen, deshalb beim Rucksackpacken alles wichtige vergessen. Ich erinnere mich nicht mehr, was denn alles so wichtig war in diesem Traum, aber das fehlende Sonnenschutzmittel beunruhigte mich vor allem. Wie konnte ich nur ausgerechnet das vergessen. Warum hatte ich auch nicht schon am Abend vorher alles ordentlich gepackt? (Hatte ich übrigens tatsächlich nicht. Und den Wecker hatte ich auch nicht gestellt!) Die übrigen Bilder bekomme ich nicht mehr sortiert, aber eine Szene ist ganz klar: Auf dem Weg zur Anlegestelle gehen wir zufällig durch ein großes Kaufhaus oder eine Einkaufspassage. Und da steht auch direkt ein Regal mit Sonnenschutzmitteln. Ich kann allen Kollegen (und all den anderen komischen Mitläufern) noch zurufen, dass sie kurz auf mich warten sollen, stehe vor dem Regal und will auswählen – und weiß plötzlich gar nicht mehr, was ich überhaupt brauche. Aber es muss doch schnell gehen! Ah, ich greife erleichtert zu und kaufe – eine Flasche Spülmittel. Ich sehe es genau vor mir. Ich könnte sogar die Flaschenform beschreiben, die Marke nennen.
Der Ausflug war gerettet!

Sie wollen jetzt natürlich wissen, wie es am Tag dann wirklich war. Ich war superpünktlich am Bahnhof, hatte vorher sogar noch Zeit, aus meinem Büro eine zusätzliche warme Jacke zu holen, also zusätzlich zur Regenjacke, die ich ja sowieso immer im Rucksack habe. Schon am Bahnhof nieselte es, in Bad Oeynhausen musste ich also die Regenjacke herausholen. Und feststellen, dass ich am Vorabend ausgerechnet die aus dem Rucksack herausgenommen hatte, weil ich es strategisch ungünstig fand, wenn sie zuunterst liegen würde. Jetzt lag sie strategisch noch ungünstiger zu Hause. Trocken. Ich wurde nass. Glücklicherweise nicht sehr, denn auf der Kanutour selbst verschonte uns der Regen. Aber auch die Sonne ließ sich kaum blicken, meine Sonnenschutzmilch kullerte sinnlos im Kanu herum. Ach ja, blamiert habe ich mich auch ein wenig, aber nur ein wenig. Es hat Spaß gemacht und die anderen Crewmitglieder im Boot haben meine wilden rechts-links-Ausweich-o-‚tschuldigung-Verpaddler milde lächelnd ausgeglichen.

Spüli haben wir nicht gebraucht.

 

Wer mehr über diesen Ausflug wissen möchte und Bilder sehen möchte: In unserem Bibliotheks-Blog gibt es einen schönen Artikel geschrieben von meiner Kollegin, auf Instagram und Facebook weitere Fotos.
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Ich habe es geschafft – Fazit

Vielleicht hätte ich ja sogar noch einen Tag Zeit (gilt Freitag als Abgabetermin oder der 30. April?)? Hauptsache ich bin noch knapp in der Frist (obwohl als Lernort-Teilnehmerin hätte ich ja sogar noch mehr Spielraum). Egal. Geschafft. Zieleinlauf … – wenn auch ohne tosenden Applaus. Denn hier ging es nicht um’s Siegen, ja es ist noch nicht einmal das Ende. Der Gewinn liegt im Erwerb von neuem Wissen (und fast alles war Neuland für mich) und im Entdecken neuer Interessen.

Letzteres war für mich die größte Überraschung: Ja, es hat Spaß gemacht; ja, ich möchte in einigen Bereichen auch weiterhin aktiv bleiben. Dienstlich habe ich Nützliches gefunden, das ich bereits einsetze (z.B. Diigo) oder bei Gelegenheit einsetze will (z.B. Infographiken, Prezi, …); und privat tut es gut, bei den Digital Natives viel besser mitreden zu können (und zu merken, dass die oft gar nicht so viel Ahnung haben🙂 ). Ich möchte einiges weiter pflegen, wenn auch nicht mehr mit dem zeitlichen Aufwand wie für die Hausaufgaben: vielleicht diesen Blog, vielleicht sogar Facebook und Twitter. Ich habe meine Freude am Schreiben wiedergefunden. Auch so eine Überraschung.

Die dritte (und möglicherweise nicht letzte) Überraschung: Ich konnte dem Kurs gut folgen. Zwar bin ich nicht bei Null angefangen, aber viel hatte ich mich vorher nicht um die Sozialen Medien und all die netten Spielzeuge geschert; oder wenn dann eher theoretisch. Aber selbst wenn es auf meinem Bildschirm anders aussah als auf den Kurs-Screenshots, habe ich mich durch die Entdeckungsressourcen und Aufgaben hindurch wurschteln können – und probieren und wurschteln geht ja bekanntlich über studieren.

Also geschafft, aber nicht am Ende: Ich werde mich auch weiter neugierig-verwegen und doch skeptisch, offen und doch kritisch durch den Netzwerke-Dschungel schlagen.

Danke, liebes NetzWorkingTeam. Der Kurs ist sehr zu empfehlen, die Betreuung gut, die Ermutigungen zwischendurch haben auch gut getan. Danke auch an alle anderen Teilnehmer, deren Fragen, Hinweise und Beispiele mir geholfen haben (der Vorteil, wenn man nicht vorweg läuft: andere haben die aufkommenden Fragen meist schon gestellt). Danke an die Kolleginnen in unserer Bibliothek, die in Lerngruppen und Einzelgesprächen gerne Hilfestellung gegeben haben. Und bevor ich jetzt auch noch meiner Mutter, meinem Agenten, meiner Schauspiellehrerin, meiner besten Freundin und meiner … (schluchz – heul – der Rest ist nicht mehr zu verstehen).

– THE END –

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Buch 2.0 – Weltenbauen

Ist das wahr? Die letzte Lektion? Und dann aber in die Vollen, denn es geht um’s Weltenbauen. Wow, kleiner geht’s nicht!

Andererseits: Weltenbauen kenne ich wirklich schon seit meiner Kindheit. Nein, ich bin kein Digital Native, aber schon immer ein Weltenbauer. Bei mir waren es vor allem die Indianer, anfangs noch so ganz Winnetou-ähnlich, später dann angereichert mit immer mehr Wissen über die „echten Indianer“. Ich habe z.B. Wörter aus den verschiedenen Sprachen gesammelt und daraus Namen für meine Fantasiefiguren gebastelt. Diese Figuren erhielten natürlich auch mehr oder weniger komplizierte Biografien – und so weiter und so fort. Nun ja, ein eigenes Internetportal hätte aus meinem Material natürlich nie werden können, aber für meine Fantasiewelten reichte es.

So, aber jetzt zur eigentlichen Aufgabe. Ich habe mir die Entdeckungsressourcen zur Scheibenwelt und zu Herr der Ringe angeschaut. Die Materialsammlung und -Verknüpfung ist wirklich beeindruckend und ein Fan der Bücher und Filme könnte sich darin verlieren, um immer wieder Neues zu erfahren oder Bekanntes bestätigt zu bekommen. Darüber hinaus findet man in den Foren, Chats, Veranstaltungshinweisen und News neueste Fan-Nachrichten, Kontakte, Gesprächsmöglichkeiten etc. Natürlich kann man auch seine eigenen Kenntnisse und Recherchen weitergeben, indem man an den Artikeln/Wikis mitschreibt, Fragen im Forum beantwortet, … . Nicht-Fans können die Seiten zum Nachschlagen und zur Anregung nutzen (z.B. für Referate). Somit können diese Seiten auch in der Bibliothek als Informationsquelle genutzt werden, bei entsprechenden Fragen können wir darauf verweisen.

Aber eine aktive Mitwirkung kann ich mir nicht vorstellen, vor allem weil mir Zeit und Lust dazu fehlen. Selbst wenn es ein Portal zu einer mich interessierenden „Welt“ gäbe.

Neben dem eben schon erwähnten Nutzen als Informationsressource sehe ich für Bibliotheken kaum Einsatzmöglichkeiten – außer im Gaming. Ich weiß zu wenig über das Spiel Minecraft, aber hier wird „Weltenbauen“ wirklich umgesetzt (während auf den Internetportalen eher gesammelt, verknüpft, gelistet wird). Auch das erinnert mich zwar an vergleichbare Hobbies aus der realen/analogen Welt: von Lego bis hin zu den Eisenbahnmodellwelten á la Miniatur Wunderland Hamburg. Aber so ein Internetgame bietet die Möglichkeit, eine Welt mit vielen anderen zusammen zu erschaffen unabhängig von Raum und Zeit (naja fast).

Ich könnte mir eine Gaming-Veranstaltung in unserer Bibliothek vorstellen, in der Weltenbauen mit Minecraft vorgestellt und ausprobiert werden kann. Allerdings müssten wir dazu einen Experten einladen und wahrscheinlich auch unsere technischen Ressourcen erweitern. Aber das wäre dann mal etwas anderes als das übliche Gedaddele. Und ich fände auch die Verknüpfung mit einem literarischen Werk (Herr der Ringe oder Harry Potter) reizvoll an dieser Idee. Außerdem sprächen wir damit die etwas älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen an (während zu unseren bisherigen Gaming-Terminen hauptsächlich Kinder von 6 bis 14/15 Jahren kommen) – eine Zielgruppe, die sonst Bibliothek oft nur noch mit Lernen und Schule verbindet.

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